Wann ist eine Paartherapie sinnvoll – und wann nicht?

Eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird, klingt einfach, ist es aber nicht: „Ist unsere Situation überhaupt schlimm genug für eine Paartherapie?" Dahinter steckt oft die Vorstellung, Paartherapie sei etwas für den Notfall, für Beziehungen kurz vor dem Aus.

Meine ehrliche Antwort: Paartherapie ist so gut wie immer sinnvoll, und zwar am meisten dann, wenn Ihr sie Euch noch gar nicht richtig vorstellen könnt, weil es doch eigentlich noch gar nicht so schlimm ist. In diesem Artikel schauen wir uns an, warum früher fast immer besser ist als später, woran Ihr erkennt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, und in welchen Situationen Paartherapie tatsächlich (noch) nicht der richtige Weg ist.

Warum Paare oft warten, bis es fast zu spät ist

Die meisten Paare, die zu mir kommen, warten lange, bevor sie sich Hilfe holen. Häufig zitiert wird dazu die Aussage, Paare würden im Schnitt 6 Jahre warten, bevor sie professionelle Unterstützung suchen. Diese Zahl stammt ursprünglich aus älteren Veröffentlichungen und wird bis heute oft wiederholt. Eine genauere, methodisch sorgfältigere neuere Untersuchung kommt allerdings auf einen deutlich kürzeren Zeitraum von durchschnittlich etwa 2,5 - 3 Jahren zwischen den ersten spürbaren Problemen und dem Beginn einer Paartherapie. Die gute Nachricht dabei: Auch wenn Paare eine Weile warten, heißt das nicht automatisch, dass ihre Situation aussichtslos ist.

Trotzdem bleibt der Kern der Beobachtung richtig, und das erlebe ich in der Praxis fast täglich: Viele Paare kommen dann zu mir, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Sie erhoffen sich dann oft schon nach der ersten Sitzung Klarheit darüber, wie es weitergeht. Das ist verständlich, die Situation fühlt sich dringend an, weil sie es häufig auch ist. Gleichzeitig macht genau dieser Druck die Arbeit für das Paar und für mich als Therapeutin herausfordernder, weil wenig Raum bleibt, um erst einmal zu verstehen, bevor gehandelt wird.

Wann Paartherapie besonders wirksam ist

Grundsätzlich gilt: Je früher ein Paar in Paartherapie kommt, desto leichter und wirksamer lässt sich gemeinsam arbeiten. Das hat einen einfachen Grund. In einem frühen Stadium sind die Fronten in der Regel noch nicht verhärtet. Beide sind sich meistens noch wohlgesonnen, auch wenn es gerade schwierig ist. Es gibt noch Wohlwollen, noch Neugier aufeinander, noch die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören, ohne sofort in Verteidigung zu gehen.

Je länger ungelöste Konflikte bestehen bleiben, desto mehr verfestigen sich Muster wie Rückzug, Vorwürfe oder Kontaktabbruch auf der emotionalen Ebene, und desto mühsamer wird es, diese Muster wieder aufzubrechen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass mehr Paare schon dann kommen, wenn sie merken, dass sich etwas verändert hat, nicht erst, wenn einer von beiden innerlich schon halb draußen ist.

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Wann Paartherapie (noch) nicht der richtige Weg ist

So klar mein Plädoyer für frühzeitige Paartherapie ist, es gibt tatsächlich Situationen, in denen sie nicht oder noch nicht der passende Weg ist.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Partner oder eine Partnerin bereits eine klare, endgültige Entscheidung getroffen hat, sich zu trennen, dies aber nicht offen ausspricht, sondern mit einer geheimen Agenda in die Therapie geht, während nach außen noch der gemeinsame Wille zum Erhalt der Beziehung behauptet wird. Paartherapie lebt davon, dass beide offen sind, auch wenn das unbequem ist. Wo eine Seite bewusst etwas Entscheidendes zurückhält, zum Beispiel eine laufende Außenbeziehung, die nicht zum Thema gemacht werden soll, wird die Therapie zu einer Fassade statt zu einem echten Arbeitsraum. In solchen Fällen braucht es zunächst Ehrlichkeit, bevor gemeinsame Arbeit überhaupt möglich ist, manchmal auch erst eine Einzeltherapie, um für sich selbst Klarheit zu finden.

Sucht, psychische Erkrankungen und Gewalt: Wann zusätzliche Unterstützung nötig ist

Bei Suchtthematiken oder akuten psychischen Erkrankungen eines Partners oder einer Partnerin kann Paartherapie sehr sinnvoll sein, allerdings in der Regel nicht als alleinige Unterstützung. Hier hat sich in meiner Erfahrung eine Doppelbetreuung bewährt: Paartherapie für die Beziehungsebene, begleitet von einer Einzeltherapie oder Suchtbehandlung für die individuelle Thematik. Beides parallel laufen zu lassen, statt nur eines der beiden, bringt die besten Ergebnisse.

Beim Thema Gewalt braucht es einen differenzierteren Blick, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Forschung unterscheidet hier deutlich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Formen:

  • Situative Paargewalt, die meist aus eskalierten, für beide belastenden Konfliktsituationen entsteht, ohne dass eine Seite die andere systematisch kontrolliert,

  • Kontrollierende, systematische Gewalt, bei der eine Person Macht und Kontrolle über die andere ausübt.

Für situative Paargewalt kann gemeinsame Paartherapie, in einem sicheren und dafür geschulten Rahmen, tatsächlich hilfreich sein und wird in der Forschung auch entsprechend eingesetzt.
Bei kontrollierender, systematischer Gewalt hingegen raten Fachleute ausdrücklich von gemeinsamer Therapie ab, weil das offene Ansprechen von Problemen im Beisein des kontrollierenden Partners für die betroffene Person gefährlich werden kann. Hier braucht es zuerst eine Einzelabklärung und, wenn nötig, konkrete Schritte zur Sicherheit, bevor überhaupt über eine gemeinsame Therapie nachgedacht werden sollte.

Paartherapie funktioniert dann am besten, wenn beide offen sind, wenigstens ein Grundvertrauen besteht und die Sicherheit beider Partner gegeben ist. Fehlt eines dieser drei Dinge, braucht es zuerst etwas anderes.

Wenn Ihr Euch fragt, ob Eure Situation „schlimm genug" für eine Paartherapie ist: Die Antwort lautet fast immer, dass der frühere Zeitpunkt der bessere ist. Wenn Ihr unsicher seid, ob Paarberatung oder Paartherapie besser zu Euch passt, oder was Euch aktuell im Weg steht, lohnt sich ein unverbindliches erstes Gespräch.

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Paarberatung oder Paartherapie: Was ist der Unterschied?


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Im Orientierungsgespräch schauen wir gemeinsam, ob und welche Form der Unterstützung für Euch gerade die richtige ist.

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